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29. September 2026

Einer von 1000

Einer von 1000 – EXE OF DOUBT Journal

Ich habe einen Song geschrieben, in dessen Strophen zweiunddreißig Mal „Niemand" steht. Er ist ein Dankeschön.

Das war von der ersten Zeile an der Plan. Ich wollte den wenigen, die bleiben, mehr Gewicht geben – und das geht nur, wenn daneben steht, wie viele es nicht tun.

Die Aufzählung ist nur der Pegel

„Niemand hat daran geglaubt / Niemand hat mich aufgebaut." So geht das weiter, Zeile für Zeile, zwei Strophen lang. Niemand hört hin, niemand fragt nach, niemand sieht rein.

Das ist kein Vorwurf an irgendwen. Es bereitet den Weg zu dir: „Niemand ist geblieben, geblieben bei mir, niemand außer dir."

Hätte ich die Strophen freundlich geschrieben – ein paar Leute hören zu, es wird schon –, wäre der Dank danach halb so laut. Die Leere davor ist wichtig, damit „außer dir" das Gewicht bekommt, das es verdient.

Ich weiß, dass das nach Selbstmitleid klingen kann. Es ist keins. Die, die nicht hinhören, sind einfach mehr – das ist der Normalzustand und kein Drama. Der Song steht auf der anderen Seite: Es gibt Leute, die trotzdem bleiben. Genau das ist der Punkt, und die Strophen sind nur dafür da.

„Niemand schreibt ohne KI"

Die Zeile steht in der zweiten Strophe, und sie ist der leiseste Vorwurf im ganzen Song. Dass meine Musik KI-gestützt entsteht, habe ich nie versteckt – das steht seit dem ersten Tag über diesem Projekt. Die Texte schreibe ich selbst. Jede Zeile, jedes Bild, jeder Reim, den ich später hasse.

Das ist inzwischen nicht mehr selbstverständlich. Es gibt genug Leute, die alles generieren lassen, den Text eingeschlossen, und das Ergebnis dann als das ausgeben, was sie zu sagen haben.

Ich mache daraus kein Drama. Dennoch ist es schade, dass scheinbar Niemand noch den Unterschied wahrnimmt.

Und dann gibt es dich. Du hörst hin.

Es ist noch immer wenig

Damit hätte ich nicht gerechnet. Nicht als Untertreibung – ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass da irgendwann Leute sind, die einen neuen Song hören, weil er von mir ist.

Und es ist noch immer wenig. Ich will hier nichts größer machen als es ist. Die Zahlen sind klein, und sie bewegen sich langsam.

Ich mache es noch immer für mich. Weil Schweigen irgendwann zu laut wird – das stand schon im ersten Eintrag hier, und daran hat sich nichts geändert.

Aber manche bleiben. Und Bleiben ist etwas völlig anderes als Anklicken. Bleiben heißt: Da ist jemand beim übernächsten Song noch da, obwohl der erste ihn nicht umgehauen hat. Das kann man nicht kaufen.

Die Bridge ist die eigentliche Strophe

Der Rest des Songs kommt ohne Namen aus. Die Bridge nicht.

Da steht Schnitz. Mein bester Freund, der nicht mehr da ist und über den ich schon einmal einen ganzen Song geschrieben habe – „Ich kann dich sehen" auf Prinzip Hoffnung. „Wie gern hätte ich nur nochmal ne Sekunde." Mehr habe ich dazu nicht zu sagen, und mehr steht auch nicht da.

Da steht Olli, der Musik aus seiner Plattenküche präsentiert und dessen Wertschätzung bei vielen Songs von mir hörbar war.

Da stehen die Storytellers, weil Dazugehören nichts Selbstverständliches ist.

Da steht Tunzuu, der Mann ohne Gesicht. Über seinen Song „Eiszeit" habe ich hier das erste Fundstück geschrieben. Er hört hin, und seine Stimme hat Gewicht – das ist beides gemeint, wie es dasteht.

Und da stehen die Kiddos. Nette Leute, und manche davon inzwischen sowas wie Freunde.

Namen in einem Song sind riskant. Sie altern, sie schließen andere aus, sie funktionieren für niemanden außer den Genannten. Ich habe sie trotzdem reingeschrieben, weil ein Dank ohne Adresse keiner ist.

Woher die Tausend kommt

Die Zahl ist nicht erfunden. Der Song ist entstanden, weil ich auf TikTok tausend Follower erreicht habe.

Für größere Projekte ist das gar nichts, und ich weiß das. Aber ich habe in dem Moment nicht an eine Zahl gedacht, sondern daran, dass da tausend Leute sind, die irgendwann einmal auf Folgen gedrückt haben, weil ein Song von mir sie erwischt hat. Tausend Mal jemand, der hängen geblieben ist. Das ist keine Reichweite, das ist ein Raum voller Menschen.

Deshalb heißt die Zeile „Du bist einer von 1000" und nicht „ihr seid 1000". Der Song redet nicht mit einer Gruppe. Er redet mit dir, einzeln, und die Zahl steht nur dabei, damit du siehst, wie selten das ist.

„Ich sag leise Danke" war ein Danke an mein Leben, nach innen gerichtet, mit mir selbst im Reinen. Dieser hier geht nach außen, und das fühlt sich verletzlicher an, weil ich dabei jemanden ansehe.

Du bist gerade bis ans Ende eines Textes über einen Song gekommen, den noch niemand hören kann. Das ist genau die Sorte Bleiben, von der der ganze Song handelt.

Du bist einer von ihnen.

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