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18. September 2026

Ich wollte Musik machen. Dann kam der Content.

Ich wollte Musik machen. Dann kam der Content. – EXE OF DOUBT Journal

Irgendwann habe ich angefangen, beim Schreiben mitzudenken, welche Stelle später der Clip wird. Nicht: Welche Stelle trägt den Song. Sondern: Welche funktioniert in acht Sekunden.

Das ist mir lange nicht aufgefallen. Doch es passierte. Still und heimlich.

Es hat mit Freude angefangen

Ich will das nicht erzählen, als hätte mich jemand gezwungen. Am Anfang war das schön. Ein Song ist fertig, ich schneide dreißig Sekunden raus, jemand schreibt darunter, dass ihn das trifft. Für ein kleines Projekt nach Feierabend ist das ein kleines Wunder. Ich habe das gemocht. Ich mag es immer noch.

Nur ist aus dem Ausschnitt irgendwann eine eigene Disziplin geworden. Hook, Länge, Textebene, Caption, Uhrzeit. Ich habe gelernt, was Retention ist, und das war keine verschwendete Zeit — ich weiß heute mehr über meine eigenen Kanäle als über manche meiner Songs. Aber der Fokus hatte sich ungesund verschoben.

Die zwei Fenster

Auf dem einen Bildschirm die Spur oder die Lyrics, an denen ich seit Tagen sitze. Auf dem anderen die Statistik von gestern. Ich habe öfter ins zweite Fenster geschaut.

Bei Songs rund um Achtsamkeit erscheint mir das keine gesunde Angewohnheit. Es ist sogar gefährlich für ein Projekt wie meins, weil meine Songs aus dem Gegenteil entstehen: aus Zuhören, aus Langsamkeit, aus dem Aushalten von etwas, das sich nicht sofort auflöst. „Eher leise als laut" steht seit dem ersten Tag über diesem Projekt. Ein Kanal, der auf die erste Sekunde optimiert, ist das genaue Gegenteil davon.

Was ich nicht behaupten will

Dass Social Media schuld ist. Das wäre bequem und falsch.

TikTok verteilt meine Videos einwandfrei — neun von zehn Views kommen über die Für-dich-Seite. Der Algorithmus gibt mir jeden Tag eine faire Chance. Was danach passiert, ist meine Baustelle, nicht seine. Es wurden lediglich weniger Songs, weil ich Clips geschnitten habe.

Kaputt ist daran nichts. Ich habe nur irgendwann angefangen, meine Tage danach zu bewerten, wie ein Video gelaufen ist.

Der Verdacht

Vielleicht ist nicht meine Musik das Problem. Vielleicht ist es auch nicht die Reichweite. Vielleicht ist es die Reihenfolge, in der ich über beide Aspekte manchmal nachgedacht habe.

Ich bin mir dabei nicht sicher, und deshalb schreibe ich es hier auf statt in eine Caption. Das hier wird eine kleine Reihe — vier Einträge darüber, was Aufmerksamkeit mit einem Musikprojekt macht, das eigentlich nur ehrlich sein wollte.

Im nächsten Eintrag geht es um die Zahlen. Sie sagen etwas anderes, als ich gedacht habe.

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