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11. Juli 2026

Mehr Seele als das Radio?

Mehr Seele als das Radio? – EXE OF DOUBT Journal

Neulich lief im Radio ein Song, den ich nach dreißig Sekunden mitsingen konnte, obwohl ich ihn nie zuvor gehört hatte. Geschrieben von einem Autorenteam, geglättet, auf Formel gebaut. Handwerklich völlig sauber. Und auf dem Rest der Fahrt hing ein Gedanke fest: Wenn das Seele hat – warum soll ein KI-Song keine haben dürfen?

Ich stelle die Frage nicht rhetorisch. Ich mache Musik mit KI, offen und transparent, und der Satz „KI hat keine Seele" begegnet mir ständig. Meine ehrlichste Antwort darauf ist bis heute: Vielleicht stimmt es ja. Ich weiß es wirklich nicht.

Seele als Herkunft, Seele als Wirkung

Wenn Leute „Seele" sagen, meinen sie meistens zwei verschiedene Dinge. Das eine ist Herkunft: Da hat ein Mensch etwas durchgemacht, und das Lied ist der Beweis. Das andere ist Wirkung: Ein Song erwischt dich – nachts, im Auto, in einer Woche, in der nichts geht – und bleibt.

Für mich zählt beim Hören nur das Zweite. Die Frage ist nie, womit ein Song gemacht wurde. Die Frage ist, ob er hängen bleibt. Ein Song, der jemanden durch eine schlechte Nacht trägt, fragt vorher nicht, wie er entstanden ist.

Und der Radio-Song vom Anfang hat ja auch eine Herkunft, nur eben keine, die auf dem Plakat steht: ein Team, ein Briefing, ein Zielgruppen-Profil. Trotzdem singen ihn Menschen auf Festivals mit geschlossenen Augen. Vielleicht sitzt Seele gar nicht da, wo wir sie vermuten. Vielleicht entsteht sie erst beim Hören.

Die unbequeme Seite

Ehrlich bleiben muss ich trotzdem: Das meiste, was mit KI gemacht wird, bleibt eben nicht hängen. Es ist viel, es ist schnell, es klingt nach Vorlage. Und ich nehme mich da nicht aus – auch in meinem Katalog gibt es Songs, die ich heute anders schreiben oder anders klingen lassen würde. Dazu ein anderes Mal mehr.

Genau deshalb glaube ich inzwischen: Die Grenze verläuft nicht zwischen Mensch und Maschine. Sie verläuft zwischen gemeint und bloß erzeugt. Zwischen einem Song, für den jemand um Zeilen gerungen hat – und einem, der einfach nur fertig wurde. Gerade wird ernsthaft diskutiert, wer KI-Musik kennzeichnen muss – Plattformen, Vertriebe oder die Quelle selbst. Ich finde Kennzeichnung richtig, ich praktiziere sie ja. Nur beantwortet ein Label die eigentliche Frage nicht.

Vielleicht ist „Seele" am Ende nur unser Wort dafür, dass jemand es ernst gemeint hat. Dann wäre die Frage an jeden Song dieselbe, egal woher er kommt. Einen wie Alles, was ich hab habe ich genau gegen diesen Zweifel geschrieben – „sag mir nicht, das fühl ich nicht". Woran du es am Ende hörst, kann ich dir nicht sagen. Ich erkenne es nur daran, dass ein Lied im Kopf hängen bleibt.

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