Warum der Ruf von KI-Musik so schlecht ist

Ich mache Musik mit KI, und ich verstehe jeden, der KI-Musik nicht ausstehen kann. Die Vorwürfe sind nämlich nicht aus der Luft gegriffen.
Der Vorwurf, sortiert
Wer „AI Slop" sagt, meint selten nur eine Sache. Meistens sind es mehrere, und sie sind alle berechtigt genug, um sie einzeln ernst zu nehmen.
Da ist die Masse, und die ist inzwischen messbar. Deezer hat im Juli gemeldet, dass im Juni 2026 zum ersten Mal mehr als die Hälfte aller täglich hochgeladenen Titel vollständig KI-generiert war – rund 90.000 Songs pro Tag. Ende 2025 waren es 34 Prozent, im April dieses Jahres 44. Gehört wird davon fast nichts: Ein bis drei Prozent aller Streams entfallen auf diese Titel, und davon waren zuletzt bis zu 85 Prozent Betrug, also Bots. Eine Flut, die kaum jemand bestellt und fast niemand hört.
Da sind die Texte nach Vorlage: dieselben Bilder, dieselben Zweckreime, dieselbe Gefühlssprache in immer neuer Verpackung. Und es bleibt selten beim Text. Wo ein Song in zwei Minuten fertig ist, ist es der Rest auch – Cover aus demselben Generator, ein Künstlername, den niemand aktiv ausgesucht hat, ein künstliches Artist-Foto. Es ist selten nur der Song, der billig ist. Es ist alles drumherum, und das fällt auf, bevor auch nur ein Ton läuft.
Der Klang gehört dazu: Produktionen, in denen niemand eine Entscheidung getroffen hat, weil niemand eine treffen musste.
Unangenehm wird es bei der Transparenz. Ich höre es meistens, andere Künstler auch, und wer viel Musik hört, oft ebenfalls. Alle anderen nicht: Ipsos hat für Deezer 9.000 Leuten in acht Ländern je drei Titel vorgespielt – 97 Prozent erkannten nicht, welche davon vollständig aus der Maschine kamen, und die Hälfte fand das im Nachhinein unangenehm. 80 Prozent wollen KI-Musik gekennzeichnet sehen, 45 Prozent würden sie ganz wegfiltern. Solange das nicht passiert, hört jeder mit dem Verdacht im Nacken, gerade angelogen zu werden. Aus dem Verdacht wird Lagerdenken: hier die echten Musiker, dort die Maschine – und wer nichts dazu sagt, steht automatisch auf der falschen Seite.
Und dann geht es ums Geld. Eine Studie von CISAC beziffert, was Musikschaffenden bis 2028 wegbricht: 24 Prozent ihrer Einnahmen, rund zehn Milliarden Euro. Wer davon lebt, sieht in der Flut keine Spielerei. Das ist Konkurrenz, die nichts kostet und nie schläft. Dass der Ton in dieser Debatte scharf ist, liegt also nicht nur an schlechter Laune.
Dazu die offene Rechtsfrage: Gerade streiten die großen Labels und Suno vor Gericht darüber, ob weitere 61.000 Aufnahmen in die Klage aufgenommen werden – der Streit, womit diese Systeme trainiert wurden, ist alles andere als erledigt.
Der Ruf von KI-Musik ist schlecht, weil viel KI-Musik schlecht ist. Der Rest landet im selben Topf.
Wo mich die Kritik selbst trifft
Der unangenehme Teil: Ich kann diese Liste nicht vorlesen, ohne mich an ein paar Stellen selbst zu erkennen.
In meinen Texten stehen Zweckreime, ich habe sie neulich selbst gesucht und gefunden. Und meine frühen Produktionen von 2025 hatten hörbare Schwächen, weil die Modelle damals nicht mehr hergaben – den Klang von Prinzip Hoffnung habe ich deshalb neu gemacht, die Texte nicht. Dazu bald mehr an anderer Stelle.
Beim Masse-Vorwurf dagegen wehre ich mich. Vier Alben und zwanzig Singles klingen von außen nach viel, eines der Alben ist sogar nur die Neuauflage eines anderen. Aber die Texte dahinter sind über anderthalb Jahre entstanden, Zeile für Zeile. Es gibt Acts, die täglich einen fertigen Song hochladen – das ist die Flut, die den Ruf prägt, und mit der habe ich nichts zu tun.
Was mich wütend macht
Jetzt der Teil, den ich sonst runterschlucke.
Ich schreibe eine Zeile so lange um, bis sie sitzt. Und manche Songs lasse ich lange liegen, bis alles passt. Und dann sagt eine Umfrage, dass 97 Prozent den Unterschied nicht hören. Das ärgert mich mehr, als ich zugeben will. Die Details, an denen andere Künstler und ich hängen, sind für die meisten Hörer einfach nicht da.
Bei den Texten dasselbe von der anderen Seite. Ich habe gerade erst meine eigenen Zweckreime auseinandergenommen – und daneben laufen Songs mit Zeilen, bei denen ich zusammenzucke, und keiner, der sie hört, stört sich daran. Offenbar reicht das. Das ist kein KI-Problem, Schlager und Radio-Pop leben seit Jahrzehnten damit, aber es macht die Arbeit an einem guten Text zu etwas, das nur ich bemerke.
Am meisten wurmt mich aber, was am Ende gewinnt. Laut gewinnt. Wer täglich hochlädt, gewinnt. Wer dreist genug wirbt, gewinnt. Leise und sorgfältig gewinnt weder gegen handgemachte Musik noch innerhalb der KI-Blase – dort geht es in der Menge genauso unter. Und jeder schnelle Song, der dazukommt, drückt weiter auf das Image, unter dem ich selbst arbeite.
Vielleicht bin ich da auch einfach eitel. Wenn die meisten den Unterschied nicht hören, dann sagt „klingt nach KI" ja auch nichts über den Klang aus. Es ist ein Verdacht darüber, wie etwas entstanden ist – die Vermutung, dass sich niemand Mühe gegeben hat. Im Einzelfall ist das unfair. Bei 90.000 Titeln am Tag ist es eine ziemlich gute Faustregel.
Was Vertrauen verdienen würde
Ich kann niemanden überzeugen. Ich kann nur sagen, woran ich mich halte.
Offen sagen, wie gearbeitet wird – das steht bei mir auf der Website, nicht im Kleingedruckten. Auswählen statt durchwinken: lieber ein Song, hinter dem ich stehe, als drei, die einfach fertig waren. Und am Handwerk arbeiten – Struktur, Reim, Bilder. Die Songwriting-Einträge der letzten Wochen sind genau das: öffentliches Üben und ehrlich kommunizieren.
Auf „Was bleibt" steht, was dort reinpasst: „Eher leise als laut. Ehrlich statt perfekt. Nichts, das nach Vorlage klingt." Das gilt für meine eigenen Songs zuerst. Gegen den schlechten Ruf hilft kein Text wie dieser. Das muss der nächste Song machen.



